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Überblick- Düsseldorf geht aus 
2008 / 2009


Fehrenbach
Betört von Jürgen und Julia



Tür auf- und direkt stehen wir mittendrin im Restaurant. Kein Vorraum, keine -Garderobe, nur ein mittelgroßes Zimmer ohne Nischen und Sitzschutz – das ist das Fehrenbach. Ein Makler hätte für diese Hochparterre-Wohnung vermutlich einen Frisör oder einen Galeristen als Mieter gesucht, aber ganz bestimmt keinen Gastronomen. Für ein Restaurant sind diese Räumlichkeiten jedenfalls sehr ungewöhnlich. Aber wunderschön: schwarzer Schieferboden, Stuckdecke, weiß verputzte Wände, hohe Bogenfenster, durch die man in die alten Bäume rund um den Kolpingplatz blickt. Und außerordentlich geschmackvoll und elegant eingerichtet: schwarze Tische und Sitzgelegenheiten, ein prächtiger Lüster, dezente, moderne Wandlampen und als Blickfang ein großformatiges, abstraktes Gemälde in Blutrot. Ein einziger Raum, in dem nichts zu viel ist, in dem alle irgendwie gemeinsam speisen, auch wenn sie an verschiedenen Tischen sitzen: Man fühlt sich wie im privaten Salon der Eheleute Fehrenbach – es „Wohnzimmer“ zu nennen, wäre zu profan für diesen stilvollen Rahmen. Und man fühlt sich willkommen – was wir übrigens schon taten, bevor wir überhaupt einen Fuß über die Schwelle gesetzt hatten: noch nie sind wir bei einer telefonischen Reservierung so herzlich und freundlich behandelt worden. Dieser gute Eindruck bekommt im Laufe des Abends nicht den geringsten Kratzer: Solch ein Servicetrio findet man in der Düsseldorfer Gastrolandschaft nicht noch einmal. Patronne Julia Fehrenbach und zwei junge Frauen agieren ungemein sympathisch, erklären mit großer Freude die Speisen, geben kompetente Weinempfehlungen und vermitteln dem Gast zu jeder Zeit das Gefühl, als wäre das hier kein Job, sondern eine echte Herzensangelegenheit. Mit Herz sind auch die Menüs komponiert: Es gibt zwei Stück, benannt nach dem Koch (Jürgen) und seiner besseren Hälfte (Julia), die man mit drei, vier oder fünf Gängen ordern kann (45/55/65 Euro). Es besteht auch die Möglichkeit, einzelne Gänge à la carte zu essen oder Gänge der beiden Menüs miteinander zu kombinieren; außerdem lockt an diesem Abend noch ein weiteres Drei-Gang- Menü auf der Tageskarte: Eintopf vom Walbecker Spargel mit kross gebratenem Zander, Filet von der bretonischen Rotbarbe mit Tomaten-Fenchel-Gemüse und Safranschaum, gebrannte Sauerrahmtarte mit Erdbeer-Rhabarbersalat und Sauerrahmeis. Davon nehme ich schon mal die Vorspeise als Zwischengericht, und ansonsten mixen wir Julia und Jürgen nach Herzenslust, was unterm strich zweimal vier Gänge ergibt. Vorweg als Gruß aus der Küche ein Thunfisch- Croustillon mit Aioli, klein portioniert, geschmacklich aber ganz groß, außerdem drei Sorten frisch gebackenes Brot, das wir mit guter Butter bestreichen und Fleur de Sel bestreuen. Dann kommt die Vorspeise, die wir in der Rückschau als das Highlight der ausnahmslos wunderbaren Menüs küren: beide haben wir uns für den Tatar vom Bluefin- Thunfisch entschieden; ein kunstvolles Gebilde von der Form eines Eishockeypucks, die untere Schicht grob geschabter, tiefroter Tuna, darüber eine grüne Avocadocremeschicht mit spritzigem Tomatenaroma, dazu einige Stangen hauchdünner, grüner Wildspargel und ein kleiner Rucola-Friseesalat – großartig. Mein Zwischengericht, der Eintopf vom Walbecker Spargel, entpuppt sich als feinstes Frühlingsgemüsesüppchen, schaumig-sahnig aufgeschlagen mit Spargelstückchen, Zucchinischeibchen und Tomatenfitzelchen, obenauf schwimmt der schön kross gebratene Zander. Ein bisschen neidisch bin ich aber schon auf das gebratene Steinbuttfilet mit Selleriepüree und Sommertrüffeln meines Co-Testers, sein Fisch ist ein Tic feiner als meiner, und diese dunkelbraune Soße erst … Bei den Hauptgerichten habe ich die Nase vorn: Filet und Bäckchen vom Irischen Ochsen mit Kartoffelstrudel meines Gegenübers sind zwar tadellos, das Steak perfekt medium, die Bäckchen zart geschmort und weich wie Marzipan, aber meinen Iberico-Schweinerücken unter einer Bärlauchkruste mit Sobrassada-Gnocchi und andalusischem Gemüse finde ich einfach noch besser. Rein optisch könnte der butterzarte Schweinerücken als ein Stück gutes deutsches Kassler durchgehen, aber geschmacklich ist das natürlich ein himmelweiter Unterschied – und zum ersten Mal in meinem Leben habe ich eine dicke Fettschicht auf einem Stück Fleisch nicht abgesäbelt, sondern mit Wonne mitgegessen. Mit den pikanten, handgeformten Gnocchi aus der typisch mallorquinischen Paprikamettwurst outen sich die Fehrenbachs als Malle-Fans (auf Ihrer prächtigen Weinkarte finden wir übrigens auch den AN/2), und auch die Gemüsebeilage mit en miniature gehackter Zucchini, Aubergine und Oliven verrät ein Faible für mediterrane Genüsse. Beim Dessert lande ich als Liebhaberin schwerer, süßer Sünden einen Volltreffer: Meine Topfenmousse im Baumkuchenmantel, eine weiße, schaumige Creme in wunderschön marmorierter hauchdünner Gebäckhülle, wird begleitet von einem Erdbeer-Rhabarbersalat und einer Nocke Sauerrahmeis – fantastisch. Mein Gegenüber verputzt derweil ein geeistes Champagnersüppchen mit Beeren und Erdbeersorbet, ein leichtes, erfrischendes Dessert, für das immer noch Platz ist, und zugleich ein gelungener Abschluss. Julia hat unser Herz gewonnen, Jürgen unseren Gaumen betört. Wenn uns in Zukunft irgendjemand fragen sollte, wo er zum Hochzeitstag mit seiner/m Liebsten/m essen gehen soll, wird unsere Antwort wie aus der Pistole geschossen kommen. mi
   

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